Wahre Werte machen einen richtig reich!

Im Spiegel wird man mal wieder richtig schlau:

Der Befund

Alle Menschen sind steinreich – es kommt nur auf die Definition der Reichtümer an.

Zumindest hat das Steve Henry nach seiner objektiven Wertanalyse herausgefunden. Er und ein paar andere Autoren haben ausgerechnet, was zb. ein Lachen wert ist: 125.840 Britische Pfund! Vom depressiven Emo – nur ein paar mal lachen – zum Millionär!

Die wissenschaftliche Methode

Für das Ranking haben die Autoren 1000 Personen befragt. Zunächst sollten diese 50 verschiedene Momente und Lebenssituationen auf einer Skala von eins bis zehn bewerten – je nachdem, wie viel Glück diese Sache bei ihnen auslöst. Zum Vergleich schätzten die Befragten ein, wie glücklich sie ein Lottogewinn machen würde. Wenn also beispielsweise ein Lottogewinn von 100.000 Pfund mit fünf Punkten bewertet wurde und Urlaub ebenfalls mit fünf Punkten, dann hat Urlaub einen Wert von 100.000 Pfund.

Die objektive Werttheorie von Marx – widerlegt.

Der Wohlstand der Nation – gemessen an seinen Werten?

Ohnehin wird seit Jahren unter Ökonomen die Debatte heiß geführt, ob man Wohlstand tatsächlich nur am Bruttoinlandsprodukt eines Landes festmachen kann. Vielmehr sei es notwendig, auch Werte wie Frieden oder eine intakte Umwelt mit in die Berechnung einfließen zu lassen.

Neben den Wirtschaftswachstum bald auch ein Friedens- und Ökowachstum? Dann muss Deutschland aber aufpassen, dass es bei dem Kampf um den Reichtum der Welt nicht bald baden geht. Vielleicht müsste man dann manchen Staaten öfters einen Krieg aufzwingen, nicht dass das Wohlstandsnationen werden.

Zweifel an der Objektivität dieser Wertanalyse

Allzu ernst darf man „Your are really rich – You just don‘t know it yet“ dennoch nicht nehmen. Zu beliebig erscheinen die Ergebnisse in der Rangliste. So halten alle Befragten zusammen ihre Haustiere (78.640 Pfund) für wertvoller als etwa ein Treffen mit Freunden (63.256 Pfund). Auch dass Kinder nur 123.592 Pfund wert sind, mag so manchem als fragwürdig erscheinen.

Der Zweck des Ganzen

Ziel sei es nicht gewesen, wissenschaftlich-akkurate Ergebnisse zu liefern, schreiben sie denn auch. Vielmehr gehe es ihnen darum, eine öffentliche Diskussion anzuregen. So sei es in Zeiten der Finanzkrise an der Zeit, eine „neue Währung“ zu schaffen und den Menschen ein neues System von Werten zu vermitteln.

Was auch sonst. Wenn der materielle Lohn nicht reicht, dann muss was anderes her, eine neue Währung – eine Währung der Werte. Wenn das Brot unbezahlbar ist, weil man nicht genügend Geld hat, dann brauch es Dinge, die auch unbezahlbar sind – die immateriellen Dinge, die den ganzen Scheiß irgendwie aushaltbar machen. Werte, auf die es ankommt. Gerade in schweren Zeiten.

Wenn man schon materiell der Ärmste ist, immateriell ist man am Reichsten. Steve Henry lässt Ihr Glück sogar in Pfund berechnen. Rechnen Sie es aus und verlangen Sie die Summe auf der Bank. Falls man Sie für einen Bankräuber hält, lassen Sie den Unfug mit diesen blöden Werten!


6 Antworten auf “Wahre Werte machen einen richtig reich!”


  1. 1 phil 17. Oktober 2009 um 13:14 Uhr

    Unfug mit diesen blöden Werten?
    So ganz neu sind diese Werte ja nicht.
    Die ganze Hippie Kultur begründet je praktisch auf ähnliuchen überlegungen.
    Es geht hier schliesslich darum, dass das wichtigste ist glücklich zu sein.
    Die meisten Menschen meinen glück mit geld kaufen zu können.
    Wenn jemand nun behauptet, wenn ich x Pfund im lotto gewinnen würde, währe ich sooo glüchlich, dann sagt der Artikel:
    genauso glücklich würde dich aber auch ein Urlaub machen.

    Übrigens: Wer die eistenz von nichtmateriellen Werten bestreitet, kann in meinen Augen nicht glaubwürdig Kritik am Kapitalismus üben.

  2. 2 Administrator 17. Oktober 2009 um 14:00 Uhr

    phil:

    Neu ist das mit den „nichtmateriellen Werten“ nicht und ich wollte auch nicht deren „Existenz“ leugnen. Als gedankliches Konstrukt gibt es diese und wenn Leute meinen, dass es „das Wichtigste ist glüklich zu sein“, dann halte ich das für einen blöden Fehler, den Leute machen, wenn ihnen diese imateriellen Werte, Glück usw. wichtig sind. An der materiellen Lage der Leute ändert der ganze Scheiß nichts, wie ich mit obigen Beitrag zeigen wollte.

    Bei „Der Zweck des Ganzen“ lässt sich doch wunderbar herauslesen, wozu der ganze Scheiß da ist. Finanzkrise verschlimmert die Lebensumstände vieler Leute und genau da soll es darauf ankommen irgendwie doch noch sich glücklich schätzen zu können. Dann muss einem schnell das Glück der Familie, Liebe usw. einfallen, dann lässt sich es auch mit wenig Geld in der Tasche leben. Glück ist nichts anderes als eine Reduktion der Ansprüche, die man sich seinem Leben setzt. Man gibt sich zufrieden mit dem, was man – immerhin – noch hat. Genau das meint der Satz, das Wichtigste sei glücklich zu sein, sich eine Zufriedenheit zu sich und seiner Umwelt zurechtzubiegen. Man abstrahiert von all den unangenehmen Momenten seines Daseins und legt sich lauter Dinge zurecht mit denen man trotz all dem anderen Scheiß zufrieden sein kann. Glück weiß auch immer, gut ist all das nicht und könnte noch schlimmer sein. Und weil alles auch schlimmer sein könnte, hat man „Glück gehabt“.

    „Wer die e[x]istenz von nichtmateriellen Werten bestreitet, kann in meinen Augen nicht glaubwürdig Kritik am Kapitalismus üben.“

    Man soll sie nicht bestreiten, sondern erklären, warum es – aus oben genannten Gründen – blöd ist, sich mit diesen Werten zufrieden zu geben. Und der Satz muss so gehen: Erst wer die Verücktheit immaterieller Werte einsieht, kann Kapitalismus kritisieren. Weil diese Werte sind ja gerade das Gegenteil von einer Kapitalismuskritik. Statt das kaputt zu machen, was einen kaputt macht, lässt man sich kaputt machen, indem man all die Schädigungen, die man erfährt, hinnimmt und sein Glück woanders sucht.

  3. 3 phil 19. Oktober 2009 um 12:38 Uhr

    Du hast dann recht, wenn Armut unglücklich, und Reichtum glücklich macht.
    Und in einer Welt in der die Reichen auf die Armen scheissen scheint das halt auch so, geb ich zu.
    Aber ich glaube die Sache mit dem Glück würde uns mehr diskusionsstoff bieten, als den anderen Lesern hier zumutbar währe, also werd ichs hier dabei belassen

    ist nicht bös gemeint, ich hoffe du verstehst dass^^

  4. 4 Administrator 19. Oktober 2009 um 16:39 Uhr

    Eine Welt, in der die Reichen nicht auf die Armen scheißen, nutzt das den Armen immer noch nichts. Arm sind sie immer noch.

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