Archiv für Januar 2010

Klassenkampf-Rap aus Schweden

Wem der Klassenkampf-Rap von Holger Burner nicht gefällt, kann sich auch Menteroja anhören. Geht zumindest etwas besser ins Ohr:

20.01.10, Buchvorstellung mit Renate Dillman

Der Kapitallesekreis Karlsruhe lädt zu folgender Veranstaltung ein:

China

Mehr Infos hier. Auch in Tübingen (19.01.) und Stuttgart (21.01.).

Gemeinnutz und Eigennutz

Ziffel
Die Nazis sagen „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“. Das ist Kommunismus, und ich sags der Mamma.

Kalle
Sie reden wieder gegen besseres Wissen, weils bei mir gegen den Strom schwimmen wollen. Der Satz bedeutet nur, daß der Staat vor dem Untertan kommt, und der Staat sind die Nazis, basta. Der Staat vertritt die Allgemeinheit, indem er alle besteuert, herumkommandiert, am gegenseitigen Verkehr hindert und in den Krieg treibt.

Ziffel
Das ist eine Übertreibung, die mir gefällt. Ohne Übertreibung könnte man sagen, der Satz konstruiert tatsächlich einen unüberbrückbaren Gegensatz zwischen dem Nutz des einzelnen und dem Nutz der Allgemeinheit. Das ist es wohl, was ihre Verachtung hervorruft. Auch ich würd sagen, in einem Land, wo der Egoismus grundsätzlich diffamiert wird, ist was faul.

Kalle
In einer Demokratie, wie wir sie kennen …

Ziffel
Sie brauchen das „wie wir sie kennen“ nicht.

Kalle
Also in einer Demokratie heißt es für gewöhnlich, es muß ein Ausgleich geschaffen werden zwischen dem Egoismus derer, die was haben, und derer, die nichts haben. Das ist offenbarer Unsinn. Einem Kapitalisten Egoismus vorwerfen heißt ihm vorwerfen, daß er ein Kapitalist ist. Einen Nutz hat überhaupt nur er, da es ein Ausnutz ist. Die Arbeiter können den Kapitalisten doch nicht ausnutzen. Der Satz „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“ müßt heißen „Wenns ums Ausnutzen geht, darf nicht einer einen andern oder alle ausnutzen, sondern alle müssen …“ und jetzt sagen Sie mir gefälligst, was ausnutzen?

Ziffel
In Ihnen steckt ein Logistiker und Semantiker, nehmen Sie sich in acht. Es genügt völlig, wenn Sie sagen, ein Gemeinwesen, muß so eingerichtet werden, daß, was dem einzelnen nützt, allen nützt. Dann muß der Egoismus nicht mehr beschimpft werden, sondern kann sogar öffentlich belobt und gefördert werden.

Kalle
Das kann nur da geschehen, wo ein Nutzen für den einzelnen nicht mehr nur entsteht, wo ein Mangel bei vielen geduldet oder geschaffen wird.

(aus: Bertolt Brecht, Flüchtlingsgespräche, Schweden oder die Nächstenliebe)