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Die Geschichten von Herrn Keiner

Am 23. Mai 2012 erscheinen „Die Geschichten von Herrn Keiner“ als Buch. Brechts Geschichten des Herrn Keuner werden sicherlich viele kennen und zu schätzen wissen – und wenn Herr Keiner schreibt, Herr Keuner hätte „gegen die Gedanken des Herrn Keiner sicher nichts einzuwenden gehabt“, dann wird man auch die Geschichten des „noch unbekannten K.“ zu schätzen wissen.

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Ein Beispiel:

Interessen und Moral

Herr Keiner wandte sich entschieden dagegen, dass die Lohn­abhängigen, wenn sie Forderungen nach besserer Bezahlung ihrer Arbeit geltend machen, ihre Interessen moralisch bemänteln.

„Sie treten so auf, als ob ihnen ihre materiellen Interessen peinlich wären“, ärgerte sich Herr K. „Ich sehe niemanden, der an die Unternehmer herantritt und sagt: ‚Guten Tag, Herr Interessens­gegner, diese Lohnerhöhung brauchen wir dringend zur Ver­besserung unserer Lage. Kommen Sie bitte unserer Forderung schnellstmöglich nach, sonst gibt es Ärger. Wir werden die Arbeit einstellen, mit der Sie ihren Gewinn machen.’

Stattdessen werden die Interessensgegner umgarnt, es wird behauptet, dass die Erfüllung der eigenen Forderungen auch im wohlverstandenen Interesse der Gegenseite liegen müsse; es wird geschmeichelt statt die eigenen Interessen unverblümt beim Namen zu nennen und auf Durchsetzung zu dringen.“

Herr K. nannte als Beispiel, das Interesse an einer Lohnerhöhung dem Unternehmer damit schmackhaft zu machen, dass diesem eine erhöhte Kaufkraft der Arbeiter in Aussicht gestellt wird, was ihn doch reizen müsse, den Arbeitern mehr Geld in die Hand zu geben. „Welch ein Unsinn“, zürnte er. „Natürlich freuen sich die Unternehmer über eine zahlungskräftige Kundschaft, sie nutzen die Kaufkraft aus, aber sie haben doch keine Kaufkraft zu verschenken. Eine Lohnerhöhung ist ein Abzug vom Gewinn, und um diese durchzusetzen, dafür gibt es kein Argument, das dem Unternehmer einleuchten könnte.Dem leuchtet nur die Macht ein, mit der die Lohnabhängigen ihre Forderungen vertreten.“

Herr K. bemerkte, dass er sich in Rage geredet hatte, doch er nahm seinen Ärger in Schutz. „Es ist ja nicht nur so“, sagte er, „dass diese moralische Argumentationsweise wirklichkeitsfremd ist, sondern auf diese Weise wird der Interessensgegensatz nicht ernst genommen, den die Arbeiter austragen müssen, wenn sie ihre Lage verbessern wollen.

Für die Unternehmer hat es keine schädlichen Auswirkungen“, fuhr Herr K. fort, „wenn diese ihren Eigennutz moralisch über­höhen und als Wohltat für beide Seiten darstellen. Doch diese wissen ihr Gerede sehr genau von ihrem praktischen Handeln zu unterscheiden. Sie kennen ihre Interessen und verstehen sich darauf, sie ohne Rücksicht zu verfolgen.

Doch bei den Unteren sieht die Lage anders aus: Wenn diese ernsthaft so tun, mit ihren Forderungen nur Gutes im Schilde zu führen, dann schwächen sie ihren Kampf, noch ehe er begonnen hat. Denn was die Unteren fordern, ist nun einmal nicht gut für die Wirtschaft. Für deren Belange können sie nichts Gutes tun, außer auf ihre eigenen Kosten“, sagte Herr Keiner.

Ulrich Schulte
Herrschaftszeiten
Geschichten von Herrn Keiner

Editpress + BasisBuch, 112 Seiten – 6€

ISBN 978-3-9815226-0-0

Gemeinnutz und Eigennutz

Ziffel
Die Nazis sagen „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“. Das ist Kommunismus, und ich sags der Mamma.

Kalle
Sie reden wieder gegen besseres Wissen, weils bei mir gegen den Strom schwimmen wollen. Der Satz bedeutet nur, daß der Staat vor dem Untertan kommt, und der Staat sind die Nazis, basta. Der Staat vertritt die Allgemeinheit, indem er alle besteuert, herumkommandiert, am gegenseitigen Verkehr hindert und in den Krieg treibt.

Ziffel
Das ist eine Übertreibung, die mir gefällt. Ohne Übertreibung könnte man sagen, der Satz konstruiert tatsächlich einen unüberbrückbaren Gegensatz zwischen dem Nutz des einzelnen und dem Nutz der Allgemeinheit. Das ist es wohl, was ihre Verachtung hervorruft. Auch ich würd sagen, in einem Land, wo der Egoismus grundsätzlich diffamiert wird, ist was faul.

Kalle
In einer Demokratie, wie wir sie kennen …

Ziffel
Sie brauchen das „wie wir sie kennen“ nicht.

Kalle
Also in einer Demokratie heißt es für gewöhnlich, es muß ein Ausgleich geschaffen werden zwischen dem Egoismus derer, die was haben, und derer, die nichts haben. Das ist offenbarer Unsinn. Einem Kapitalisten Egoismus vorwerfen heißt ihm vorwerfen, daß er ein Kapitalist ist. Einen Nutz hat überhaupt nur er, da es ein Ausnutz ist. Die Arbeiter können den Kapitalisten doch nicht ausnutzen. Der Satz „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“ müßt heißen „Wenns ums Ausnutzen geht, darf nicht einer einen andern oder alle ausnutzen, sondern alle müssen …“ und jetzt sagen Sie mir gefälligst, was ausnutzen?

Ziffel
In Ihnen steckt ein Logistiker und Semantiker, nehmen Sie sich in acht. Es genügt völlig, wenn Sie sagen, ein Gemeinwesen, muß so eingerichtet werden, daß, was dem einzelnen nützt, allen nützt. Dann muß der Egoismus nicht mehr beschimpft werden, sondern kann sogar öffentlich belobt und gefördert werden.

Kalle
Das kann nur da geschehen, wo ein Nutzen für den einzelnen nicht mehr nur entsteht, wo ein Mangel bei vielen geduldet oder geschaffen wird.

(aus: Bertolt Brecht, Flüchtlingsgespräche, Schweden oder die Nächstenliebe)

Nightmare of a red Xmas

Zur Unterhaltung:

Captain Capitalism: Nightmare of Red Xmas

und was Marxisten zu Weihnachten zu sagen haben.

Demokratischer Personenkult

Wahlkampf
Ein führungsstarkes politisches Programm präsentiert sich mit der Tiefe des Ausschnitts

Übrigens: Die Geschichte von dem Mädchen mit den schlanken Jeanshosen

„Ich, Jens…, habe eine große Bitte an Sie. Am Samstag dem 4.10.80, einen Tag vor dem Wahlkampf (?), teilte mir eine ihrer Zustellerinnen, ein Mädchen, mit dem ich sehr gerne in Kontakt käme, eine Zeitung aus… Nach einem kurzen Gespräch verlief sich unser Weg. Es war in Höhe von Kaufhof Schildgasse in Köln um ca. 16 Uhr. Sie, etwa 1,72 cm groß, trug grüne Cordjacke, Jeanshose?… schwarzes krauses Haar, etwas gelockt, schlank. Ich wäre Ihnen sehr dankbar…“

Lieber Jens, Du kannst glauben, daß wir Verständnis für Deinen Wunsch haben, zumal Mächen mit schlanken Jeanshosen immer seltener werden. Trotzdem mußt Du verstehen, daß wir die „Argumente zur Wahl“ anders gemeint haben und nicht deshalb geschrieben haben, damit Du Deine Wahl treffen kannst. Wie Du den Briefen unter I entnimmst, bewahren wir Dich so nur davor, in die Fänge einer schmierfinkigen armen Irren ohne Saft und Kraft zu geraten. Also im Guten: Such Dir Deine Frau selber und laß unsere süßen Miezen in Ruhe!

Briefe zur Wahl (MSZ 1980 Ausgabe 5)

Was von Thälmann zu lernen wäre


Thälmann agitiert in der Krise

„Die Internationale, ein wunderschönes Lied“ (CDU)

Am 1. Mai – dem Tag der Arbeit – erklang aus dem Glockenturm des Karlsruher Rathauses die Melodie der „Internationalen“. Der JU-Kreisvorsitzende Andreas Reifsteck findet es zwar „äußerst befremdlich“, dass „dieses sozialistische Kampflied, das die Staatshymne der untergegangenen Sowjetunion war und von den kommunistischen Parteien in Deutschland wie auch weltweit übernommen wurde“ auf dem ganzen Marktplatz ertönt, für mich aber sehr unterhaltsam. Nur schade, dass ich es verpasst habe. Für Ostdeutsche mag das Lied zwar laut Herrn Reifsteck wie Hohn klingen, so klingt das Deutschlandlied in meinen Ohren aber auch.

Wer meint aber etwas verpasst zu haben und mit seinem Arbeiterchor nicht die Gelegenheit genutzt zu haben die „Internationale“ anzustimmen, der ist zu beruhigen. Denn dieses Lied erklingt jeden 1. Mai auf dem Karlsruher Marktplatz. Desweiteren versichert Oberbürgermeister Heinz Fenrich (CDU), dass die „Internationale“ auch weiterhin gespielt werden wird, schließlich sei dies Tradition. Ein wahrer Mann des Volkes!

Zitate und Infos von KA-News

Killerspiele 2.0

Killerspiel
Der Mörder Althaus hat daheim fleißig geübt.

Erfurt, Emsdetten, Winnenden und kein Ende?

Auf der Startseite vom VSA-Verlag aus Hamburg:

Erfurt, Emsdetten, Winnenden und kein Ende?
Thomas Steinfeld schreibt in seinem Beitrag „Der Normalität gefährlich nahe“ in der Süddeutschen Zeitung vom 12.3.2009 über den Amoklauf von Winnenden und seine schrecklichen Folgen: „Der eigene – tatsächliche oder auch nur vermeintliche – Misserfolg wird als fundamentale Verletzung des Selbstwertgefühls empfunden. Das aber ist alles andere als ungewöhnlich: Denn der Glaube, der Schlüssel zum Erfolg liege in einem selber und dabei nicht zuletzt im eigenen Selbstbewusstsein begraben, gehört zur psychischen Grundausstattung unserer Gesellschaft.“ Freerk Huisken kommt in seinem 2007 veröffentlichten Buch „Über die Unregierbarkeit des Schulvolks“ zu ähnlichen Einschätzungen: „Erfurt, Emsdetten… – der nächste Amoklauf kommt bestimmt. Über Konkurrenzverlierer und Selbstbewusstseinskult, über verletzte Ehre und demonstrative Rache“. Seine nicht nur auf die „psychische Grundausstattung unserer Gesellschaft“ zielende Analyse könnte dazu beitragen zu verstehen, warum die erneut „bestürzte Öffentlichkeit wehklagt, dass das mit der ‚Ehre‘ so nicht gemeint“ sei, weil sie aus Erfurt und Emsdetten die falschen oder gar keine Schlussfolgerungen gezogen hat.

Dem alltäglichen Irrsinn entgegentreten

Über die Krise darf man keine Witze machen, meint die SZ. Martin Sonneborn sieht das anders (Interview vom 23.02.09): (mehr…)

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Edit: Kurz vor dem Pennen gehen, muss eben mein Paint-Kunstwerk herhalten und nicht meine beauftragten Copy-Shop Spezialisten.